Kartoffelschälmesser gegen „Kohle“ oder „Asti Spumante“ statt Joint

Der Betreuer erwartet bei seinem Besuch bei Rene P. keine Überraschungen. Seit etwa einem Jahr gilt  der Junge als clean. Verurteilungen wegen Diebstahl, Raub, räuberischen Diebstahls u.s.w. sind der Grund für die Betreuerbesuche.  Die letzte Verurteilung wegen räuberischen Diebstahls in drei Fällen brachte ihm 8 Jahre in Tegel ein. Von seinen 34 Lebensjahren hatte Renè P. schon mehr als ein Drittel im Knast verbracht.

Ohne Job und mit steigenden Mietschulden sollte bei diesem Besuch nach Lösungen gefahndet werden. Die hoffnungslose Lage, mit der umzugehen, Rene P. nie gelernt hat, lässt ihn schon am Vormittag die letzten Krümel für einen Joint zusammen kratzen. Da nichts anderes zur Verfügung steht, wird auch ein „Asti Spumante“ herangezogen. Allerdings lehnt der Betreuer diesen Genuss ab. Also keine Chance auf brüderliche Hilfe für Rene P. Bei einem Abstecher in die Küche kommt ihm die Idee, mit Gewalt um eine Geldspende zu bitten, da ein Joint ihm als wirkliche Hilfe in seiner Situation erscheint. Er greift zu einem Kartoffelschälmesser und versucht damit, seinen Betreuer zur Herausgabe der Brieftasche zu motivieren. Das klappt auch. Ohne weitere Verletzungen trennen sich die beiden und Rene P. versucht mit der selbstverständlich falschen PIN des Betreuers dessen ec-Karte zu erleichtern.

Es kommt, wie es kommen muss. Die Polizei ersetzt das Türschloss und Rene P. stellt sich nach wenigen Stunden des Herumstreunens in der Stadt auf dem Revier.

Wo sollte er auch sonst hin? Seine Mutter hat den Kontakt zu ihm schon vor Jahren abgebrochen und seinen Vater hat er als kleiner Junge das letzte Mal gesehen, bevor sich seine Eltern getrennt hatten. Geschwister oder Freunde hat er keine.

Die formalen Voraussetzungen für die Anordnung der Sicherungsverfahrung waren gegeben.

Der Gutachter zu Renè P.: voll schuldfähig, keine verminderte Schuldfähigkeit, keine Drogenabhängigkeit, kein Hang zur Kriminalität. Fazit des Gutachters: R.P. muss lernen,  soziale Kompetenzen zu entwickeln.

Sein Wunsch, Unterstützung bei einem Entziehungsversuch zu erhalten, wird abgelehnt.

Letztendlich plädieren Anklage und Verteidigung auf einen minder schweren Fall des schweren Raubes. Dem schloss sich das Gericht an. Das Urteil : 3 Jahre und 6 Monate.

Wenn er nach dem Vollzug wieder raus kommt, hat er null Perspektive: keine Familie, keine Wohnung, keine Arbeit, keine Freunde. Armes Würstchen. Wie soll so ein Mensch soziale Kompetenzen entwickeln?

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