Untersuchungshaftanstalt Berlin Moabit – Hort zum Wegsperren, nicht des Schreibens und der Besinnlichkeit

Wie der Kollege Hoenig gerade berichtete, hat er in einer U-Haftanstalt einen Tagebuch schreibenden Mandanten einsitzen. Die Eintragungen im Tagebuch sind erschreckend, obwohl sie mich nicht mehr erschrecken sollten. Decke angucken, Fußboden angucken, Wand angucken. Man muss eben nicht erst den Blick auf amerikanische, türkische oder russische Haftorte richten, um eine Gänsehaut zu bekommen.

Und dennoch gäbe es eine Alternative: die drei Leitzordner Verfahrensakten angucken, die ihm der Kollege Hoenig hinschleppte. So lange kein Fernseher und kein Radio da sind, wären dafür optimale Voraussetzungen gegeben. Aber vielleicht trägt das auch nicht wirklich zu mehr Besinnlichkeit bei. Für die Verteidigungsvorbereitung würde es dennoch Sinn machen, so schwer es in einer solchen Lebenssituation auch fallen mag.

Kommentare

1 Kommentar zu “Untersuchungshaftanstalt Berlin Moabit – Hort zum Wegsperren, nicht des Schreibens und der Besinnlichkeit”

  1. JLloyd am 07.07.2011 um 17:39 Uhr

    Der Vorschlag erscheint mir angesichts der Nebenwirkungen der Haftbedingungen äußerst zynisch. Herr Dost, streichen Sie – wenn auch nur in Gedanken – spontan Ihre heutige Abendbeschäftigung, nehmen Sie sich die nächste 08/15-Fallakte, schliessen Sie sich ins Klo ein und bereiten Sie den Fall von 20:00 bis 00:00 vor. Sie brauchen dafür beim besten Willen nur 2h ? Sie haben dazu hilfreiche Literatur oder gar eine Urteilsdatenbank nicht auf dem Klo parat ? Dann erkennen Sie soeben den Zweck dieses absurd anmutenden Gedankenexperiments.

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